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Kursleitung
P. Thomas Neulinger SJ
P. Toni Witwer SJ
Zinzendorfgasse 3
8010 Graz


Glossar


Ad amorem

Lateinische Bezeichnung für die Betrachtung zur Erlangung der Liebe.

Agere contra

Wenn ein Autoreifen platzt oder ein Auto auf glatter Straße ins Schleudern kommt, dann gilt es entsprechend kräftig oder behutsam "gegenzusteuern". Dieses Gegenlenken gibt es auch auf der "Straße" des menschlichen Lebens. Ignatius spricht in diesem Sinn von "agere contra", davon, "dagegen zu handeln", als eine bewusste Gegenbewegung zu machen. Ignatius weiß, dass der Mensch nie von allen seinen Schlagseiten, seinen "ungeordneten Neigungen" frei wird. Dies zeigt eine sehr bezeichnende Korrektur im Exerzitienbuch. Ignatius hat in einem ihm selbst vorliegenden Exemplar den Text "keine ungeordneten Neigungen zu haben" eigenhändig korrigiert in: "um sich durch keine ungeordneten Neigungen bestimmen zu lassen."
Wer in seinem Leben gegensteuern möchte, tut gut daran zu wissen, wo seine ganz persönlichen Schlagseiten und Schwachpunkte liegen. Wer normalerweise zuviel redet oder zuviel trinkt oder zuviel arbeitet oder zu vorsichtig ist, dem hilft es gegenzusteuern, indem er im Zweifelsfall lieber ein Wort zu wenig sagt, ein alkoholfreies Bier trinkt, einen arbeitsfreien Tag verbringt, ein offenes Wort riskiert. (nach Willi Lambert)


Anmerkungen

Die sogenannten Anmerkungen (lat. Annotationes) stehen am Anfang des Exerzitienbuches (EB 1-20). In ihnen finden sich Hinweise für das Geben und Machen der Geistlichen Übungen und zum Wesen von ignatianischen Exerzitien.


Anwendung der Sinne

[Dazu findet sich ein Artikel in der Bibliothek.]


Betrachtung zur Erlangung der Liebe

Diese Betrachtung ist die Letzte, die sich im Exerzitienbuch findet (EB 230-237). Als Abschluss der Dreißigtägigen Exerzitien fasst diese Übung den Prozess der vier Wochen zusammen und zeigt auf, wie einerseits die ganze Schöpfung von Gottes Liebe und Wirken durchwaltet ist, und wie andererseits wir Menschen angesichts dieser Zuwendung Gottes zu ebenso vorbehaltloser Liebe gerufen sind.


Christ-Königs-Betrachtung

Siehe „Ruf des Königs“


Contemplativus in actione

[Siehe dazu in der Bibliothek den Artikel „Gott suchen und finden in allen Dingen“.]


Exerzitien

Exerzitien wollen in das eigene Leben mehr Klarheit bringen, den Menschen neu auf Gott hin ausrichten und bei Lebensentscheidungen und Orientierungssuche helfen.
So wie es Übungen (lat. Exercitia) für den Körper gibt, gibt es auch „Geistliche Übungen“ für Seele und Leib, wie etwa verschiedene Formen und Weisen von Gebet, Betrachtung, Meditation, Körperübungen u. ä.
Unter „Exerzitien“ wurden ursprünglich jene geistlichen Übungen verstanden, welche Ignatius von Loyola in seinem „Exerzitienbuch“ vorgelegt hat. Heute werden Exerzitien als ignatianische, benediktinische, franziskanische, kontemplative Exerzitien u. v. m. angeboten.
Sie finden als Einzelexerzitien, Gruppenexerzitien, Vortragsexerzitien, Exerzitien im Alltag u. a. m. statt.
Wesentliche Elemente von Exerzitien sind: persönliche Gebetszeiten, Stille und eventuell Gespräche mit einer Begleiterin oder einem Begleiter.
Ignatianische Einzelexerzitien sind eine bewährte Möglichkeit, die je eigene Gottesbeziehung zu vertiefen und Lebensentscheidungen – wenn sie anstehen – vor Gott zu treffen. Dabei werden die persönlichen Lebenssituationen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgegriffen und die Übungen auf diesem geistlichen Weg individuell angepasst. Grundlage dafür ist das Exerzitienbuch des Ignatius. Die sogenannten „Großen Exerzitien“ dauern dreißig Tage.
Häufiger sind kürzere Formen von zumeist sechs bis zehn Tagen Dauer, in durchgängigem Schweigen, mit drei bis vier persönlichen Gebetszeiten an jedem Tag. Inhalt des täglichen Gesprächs mit der/dem Begleiter/in ist der je eigene Weg vor und mit Gott.
Ignatianische Einzelexerzitien werden für Einzelne (nach Vereinbarung) oder als Kurs für eine Gruppe angeboten. In einem Kurs sind in der Regel auch die Feier der Eucharistie und gemeinsame Gebetszeiten Bestandteil des Programms. Weitere gemeinsame Elemente können sein: täglicher (kurzer) Vortrag, gemeinsame Meditationszeiten, Angebote zur vertiefenden Körperwahrnehmung und Tageszeitengebet.


Exerzitien im Alltag

In der Anmerkung 19 des Exerzitienbuches führt Ignatius eine Form von „Geistlichen Übungen“ an, bei der der Exerzitant/ die Exerzitantin sich nicht in Abgeschiedenheit zurückzieht, sondern diese Übungen einige Wochen oder Monate im Alltag, parallel zu den üblichen Beschäftigungen macht. Lange Zeit vergessen, wurde diese Form vor einigen Jahren wieder entdeckt und ist heute unter dem Namen „Exerzitien im Alltag“ in unterschiedlichsten Weisen verbreitet.


Formula Instituti

Der Ausdruck „Institut der Gesellschaft Jesu“ bezeichnet einerseits die Lebens- und Arbeitsweise der Jesuiten und andererseits die schriftlichen Dokumente, in denen diese Lebens- und Arbeitsweise verbindlich beschrieben ist. Eine zentrale Stellung unter den Dokumenten nimmt die sogenannte „Formula Instituti“ ein, die ursprüngliche „Regel“ des Jesuitenordens, die zuerst 1540 von Papst Paul III. und dann 1550 von Papst Julius III. bestätigt worden ist.


Gebet der liebenden Aufmerksamkeit

[Siehe Einheiten 6 und 7]


Geistliches Tagebuch

Im Zusammenhang mit der Abfassung der Satzungen des Jesuitenordens setzte sich Ignatius intensiv mit der Frage auseinander, welche Armutsbestimmungen gelten sollten. Dabei feierte er die Messe und legte die Frage, mit der er rang, Gott im Gebet vor. In dieser Zeit notierte er jeden Tag, was dabei in seiner Seele vorging. Diese privaten Aufzeichnungen, die mit dem 2. Februar 1544 beginnen und mit dem 27. Februar 1545 enden, bestehen im Original aus 27 Blättern und enthalten Überlegungen zur Sache und Beschreibungen der mystischen Erfahrungen, die Ignatius in dieser Zeit machte.


Geistliche Übungen

Siehe Exerzitien


Gesellschaft Jesu

Deutsche Übersetzung des offiziellen lateinischen Namens für den Jesuitenorden, Societas Iesu.


Gott in allen Dingen suchen und finden

[Dazu findet sich ein Artikel in der Bibliothek.]


Ignatianisch/ Jesuitisch

Als ignatianisch wird etwas dann bezeichnet, wenn es auf Ignatius und seine Spiritualität zurückgeht. Jesuitisch hingegen ist etwas dann, wenn es für den Jesuitenorden charakteristisch war oder ist.
Anders gesagt: Alles Jesuitische ist ignatianisch, aber nicht alles Ignatianische ist auch jesuitisch. So gibt es heute zahlreiche Orden und Gemeinschaften, die unabhängig von der Gesellschaft Jesu aus der ignatianischen Spiritualität leben.

Ignatianische Einzelexerzitien

Siehe Exerzitien

IHS

Das Christusmonogramm IHS entstand durch die verkürzte Schreibweise des Namens „Jesus“ in Griechisch mit den Großbuchstaben IHC (für JES). Bei der Übernahme in den lateinischen Sprachraum wurde dann daraus IHS. Bereits vor Ignatius und dem Jesuitenorden verbreitet, wird diese Buchstabenkombination in einer speziellen Form zum „Signet“, zum Logo der Gesellschaft Jesu: als IHS mit einem Kreuz über dem Mittelstrich des H, drei Nägeln unter dem IHS und umgeben von einer Strahlensonne.


Indifferenz

Ignatianische Indifferenz heißt, persönliche Vorlieben, Bindungen und vorgefasste Meinungen aufzugeben, um offen für Gottes Willen zu sein, wenn es um das Treffen einer Entscheidung geht.


Iñigo

Ignatius von Loyola wurde auf den Namen Iñigo (nach dem spanischen Heiligen Enecus) getauft, änderte aber später seinen Namen in Ignatius – vermutlich aufgrund seiner Verehrung für den hl. Ignatius von Antiochia.


Kirchlichkeit

Ignatius und seinen ersten Gefährten war die Verbindung mit dem Papst und der Dienst an der katholischen Kirche ein Herzensanliegen. Auch im Exerzitienbuch finden sich Regeln für das „Fühlen mit der Kirche“ (EB 352-370). Dies gilt bis heute – so sagte die 34. Generalversammlung des Ordens 1995: „Im Dienst für den Herrn und seine Braut, die Kirche, das Volk Gottes, sind wir besonders verbunden mit dem Papst, um uns zu den Aufgaben senden zu lassen, die er uns anvertraut. Als Männer der Kirche können wir nicht anders, als mit der Kirche zu denken, geleitet vom Geist des auferstandenen Herrn.“
Zugleich erklärte diese Generalversammlung: „Wenn unsere Liebe zu Christus – die nicht zu trennen ist von unserer Liebe zu seiner Braut, der Kirche – uns drängt, in jeder Situation Gottes Willen zu suchen, dann kann diese Liebe uns auch verpflichten, konstruktive Kritik zu üben, die getragen ist von geistlicher Unterscheidung im Gebet.“


Kolloquium

Siehe Zwiegespräch


Kontemplation

[Dazu findet sich ein Artikel in der Bibliothek.]


La Storta

In einer Kapelle dieses Dorfes nahe bei Rom hatte Ignatius 1537 eine Vision: Er sah Christus mit dem Kreuz auf der Schulter und Gottvater neben ihm. Der Vater sagte zum Sohn: „Ich will, dass du diesen als meinen Diener annimmst.“ Jesus sprach zu Ignatius: „Ich will, dass du uns dienst.“ In einem Bericht ist auch zu finden, dass Gott zu Ignatius sprach: „Ich werde euch in Rom gnädig sein.“ – Ignatius meinte dazu: „Vielleicht werden wir in Rom gekreuzigt werden.“ Für Ignatius und die ersten Gefährten stellte diese Vision eine göttliche Bestätigung des eingeschlagenen Weges und ihrer Gemeinschaft dar.


Magis (lat. für „Mehr“)

Das typisch ignatianische Mehr ist ein Mehr an persönlicher Beziehung zu Gott und zu Christus, ein Mehr der Ausrichtung des eigenen Lebens auf Gott hin, ein Mehr des Engagements in der Welt.
Siehe auch den Artikel „Das ‚Mehr’ bei Ignatius“ in der Bibliothek.


Manresa

In diesem kleinen nordspanischen Dorf lebte Ignatius zehn Monate lang (1522/23). Dieser Aufenthalt war für ihn eine Zeit der geistlichen Reifung (nach dem ersten Enthusiasmus, der auf dem Krankenbett in Loyola begonnen hatte). Von einer übertriebenen Askese fand er zu einer persönlichen Gottes- und Christusbeziehung und wurde vom einzelgängerischen Eremiten zum Seelsorger.

Meditation

[Dazu findet sich ein Artikel in der Bibliothek.]


Misstrost

Ignatius schreibt: „Ich nenne Misstrost/ Trostlosigkeit ... Dunkelheit der Seele, Verwirrung in ihr, Regung zu den niederen und irdischen Dingen, Unruhe von verschiedenen Bewegungen und Versuchungen, die zu Unglauben bewegen, ohne Hoffnung, ohne Liebe, wobei sich die Seele ganz träge, lau, traurig und wie von ihrem Schöpfer und Herrn getrennt findet.“ (EB 317)
Eine Erklärung dazu findet sich in Einheit 3.

Omnia ad maiorem Dei gloriam

In Büchern, auf Bildern und Bauwerken, die mit den Jesuiten verbunden sind, finden sich oft die Worte „Omnia ad maiorem Dei gloriam“ oder die Abkürzung OAMDG – zu deutsch: „Alles zur größeren Ehre Gottes“. Ignatius war es wichtig, dass die Gesellschaft Jesu und die einzelnen Jesuiten all ihr Tun und Handeln immer mehr auf Gott und seine Ehre ausrichten (wobei die Ehre Gottes darin besteht, dass unter allen Menschen Glaube, Hoffnung und Liebe wachsen und dass Friede und Gerechtigkeit sich durchsetzen). So wurde diese Formulierung zum Motto des Jesuitenordens.


Praesupponendum

Eine Voraussetzung für das Geben und Machen von Exerzitien, die zugleich eine Anregung für den Umgang mit der Meinung anderer im Alltag darstellt, führt Ignatius im sogenannten Praesupponendum an: „Damit sowohl der, der die geistlichen Übungen gibt, wie der, der sie empfängt, mehr Hilfe und Nutzen haben, ist vorauszusetzen, dass jeder gute Christ bereitwilliger sein muss, die Aussage des Nächsten zu retten, als sie zu verurteilen; und wenn er sie nicht retten kann, erkundige er sich, wie jener sie versteht, und versteht jener sie schlecht, so verbessere er ihn mit Liebe; und wenn das nicht genügt, suche er alle angebrachten Mittel, damit jener, indem er sie gut verstehe, sich rette.“ (EB 22)


Prinzip und Fundament

Das sogenannte „Prinzip und Fundament“ ist ein Text im Exerzitienbuch, der eine „Vision“ für das Leben enthält. Hinter den trockenen Worten mit ihrem logischen Aufbau verbirgt sich eine Lebenserfahrung des Ignatius: die Ausrichtung auf Gott und auf den Dienst für ihn erfüllt uns und hilft uns, zu wachsen, zu reifen, unseren Weg zu finden.
Der Text lautet: „Der Mensch ist geschaffen, um Gott, unseren Herrn, zu loben, ihm Ehrfurcht zu erweisen und zu dienen und mittels dessen seine Seele zu retten; und die übrigen Dinge auf dem Angesicht der Erde sind für den Menschen geschaffen und damit sie ihm bei der Verfolgung des Ziels helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt, dass der Mensch sie soweit gebrauchen soll, als sie ihm für sein Ziel helfen, und sich soweit von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern.
Deshalb ist es nötig, dass wir uns gegenüber allen geschaffenen Dingen in allem, was der Freiheit unserer freien Entscheidungsmacht gestattet und ihr nicht verboten ist, indifferent machen. Wir sollen also nicht unsererseits mehr wollen: Gesundheit als Krankheit, Reichtum als Armut, Ehre als Ehrlosigkeit, langes Leben als kurzes; und genauso folglich in allem sonst, indem wir allein wünschen und wählen, was uns mehr zu dem Ziel hinführt, zu dem wir geschaffen sind.“ (EB 23)


„Der Ruf des Königs“ – Betrachtung

Ignatius verwendete als Kind seiner Zeit und als Adeliger die Bilder und Vorstellungen, die ihm vertraut und die aufgrund seiner Herkunft von Bedeutung für ihn waren. In der Betrachtung vom Ruf des Königs (EB 91-99) geht er von der idealen Beziehung zwischen König und Vasall aus und schildert, wie der König ruft und auffordert, in seinen Dienst zu treten, in einen Dienst, in dem Herr und Diener bereit sind, das Leben zu geben für den anderen, in dem keiner den anderen verlässt, sie das gleiche Los teilen, die gleiche Nahrung, den gleichen Kampf, den gleichen Triumph usw.
Diese Vorstellung wird dann auf Jesus übertragen, der seine Jünger ruft, eine solche Lebens- und Schicksalsgemeinschaft mit ihm einzugehen. Diese Einladung verlangt nach einer Antwort, nach der Bereitschaft, sie anzunehmen und sich aktiv für die Nachfolge Jesu zu entscheiden.


Satzungen

Ab 1541 schrieb Ignatius an den Satzungen (auch Konstitutionen), ab 1547 in enger Zusammenarbeit mit seinem Sekretär Juan de Polanco und in Rücksprache mit der Gruppe der ersten Gefährten, mit denen zusammen er die Gesellschaft Jesu gegründet hatte. Nach seinem Tod wurden sie von der ersten Generalversammlung 1558 als „Grundgesetz“ des Jesuitenordens in Kraft gesetzt. Die Satzungen verbinden die geistliche Erfahrung der Exerzitien mit nüchternen Rechtsvorschriften – sie sind Gesetzestext und spirituelles Werk in einem.
Die Satzungen bestehen aus dem sogenannten „Examen (generale)“, das früher den Bewerbern vor der Aufnahme vorzulegen war, und den eigentlichen Satzungen. In zehn Teilen legen diese die Bedingungen für die Aufnahme in den Jesuitenorden fest und nennen die Entlassungsgründe für ungeeignete Bewerber. Sie regeln die geistliche Formung und wissenschaftliche Ausbildung der jungen Jesuiten und deren endgültige Eingliederung in den Orden durch Gelübde und die Verpflichtungen, die sich daraus ergeben. Des Weiteren sind Vorschriften über die apostolischen Arbeiten der Ordensmitglieder enthalten, über ihre Beziehungen untereinander und ihr Verhalten gegenüber den Oberen. Abschließend folgen die Aufgaben des Generaloberen und Anweisungen zur Erhaltung des guten Zustands des ganzen Ordens.


Societas Jesu

Aus Verehrung für Jesus und seinen Namen wählten Ignatius von Loyola und seine ersten Gefährten für ihre Gruppe den Namen „Gesellschaft Jesu“, lateinisch „Societas Jesu“, abgekürzt SJ.


Trost

Dazu sagt Ignatius: „Überhaupt nenne ich Trost/ Tröstung alle Zunahme an Hoffnung, Glaube und Liebe und alle innere Freudigkeit, die zu den himmlischen Dingen ruft und hinzieht und zum eigenen Heil seiner Seele, indem sie ihr Ruhe und Frieden in ihrem Schöpfer und Herrn gibt.“ (EB 316)
Eine Erklärung dazu findet sich in Einheit 3.


Unterscheidung der Geister

Im Exerzitienbuch finden sich zwei Zusammenstellungen von Regeln, um die Geister zu unterscheiden (EB 313-327 und EB 328-336). Eine Darstellung und Erklärung dieser Regeln findet sich in Einheit 2 und 3 des Kurses.


Wahl

Ein Ziel von Exerzitien ist es, „den göttlichen Willen .... zu suchen und zu finden“ (EB 1), mit anderen Worten: eine Antwort auf die Frage zu finden, was Gott will, dass die Exerzitantin/ der Exerzitant in und mit ihrem/ seinem Leben tut.
Diesen Klärungs- und Entscheidungsprozess bezeichnet Ignatius als Wahl. Das wichtigste Mittel dabei ist die Unterscheidung der Geister; im Rahmen von dreißigtägigen Exerzitien ist die Wahl Bestandteil der zweiten Woche.


Woche

Die dreißigtägigen Exerzitien, wie sie das Exerzitienbuch vorsieht, sind in vier Wochen eingeteilt, d.h. in vier Abschnitte, die jeweils ungefähr eine Woche dauern (eine Verkürzung oder Verlängerung ist abhängig von dem persönlichen Weg der Exerzitantin/ des Exerzitanten).
Thema der ersten Woche ist das Böse in der Welt, die Verstrickung des Menschen in Sünde und Schuld sowie die Vergebung und Annahme durch Gott. In der zweiten Woche geht es um Jesus und sein Leben bis hin zur Passion, die dritte Woche ist dem Kreuz und dem Tod Jesu gewidmet, die vierte Woche schließlich der Auferstehung des Herrn.


Zwei Banner-Betrachtung

Diese Besinnung in der zweiten Woche der Exerzitien (EB 136-148) ist von Bildern und Vorstellungen geprägt, die heute für manche Menschen schwer zugänglich sind. Ignatius spricht von zwei Feldlagern, das eine in der Gegend von Jerusalem, versammelt um das Banner Christi, das andere in der Gegend von Babylon unter dem Banner Luzifers.
Hinter diesem Bild steht die Einsicht, dass das Reich Gottes in unserer Welt auf Widerstand stößt, dass es angesichts dieses Widerstands Einsicht in die Kräfte braucht, die im Leben der Nachfolge Christi entgegenstehen, sowie die Bereitschaft, sich gegen diese Kräfte zu entscheiden und den Weg Jesu, den Weg der Wahrheit, der Demut und der Gewaltlosigkeit zu gehen.


Zusätze

Sie sind eine Sammlung von Hinweisen und Ratschlägen für die Gebetszeiten in den Geistlichen Übungen, die Ignatius im Exerzitienbuch zusammengestellt hat (EB 73-90).


Zwiegespräch

Das Zwiegespräch (auch Kolloquium genannt) ist der vorletzte Abschnitt einer Gebetszeit, wie sie das Exerzitienbuch vorschlägt: ein Gespräch mit Gott-Vater, Christus und Maria über die Einsichten, die Anliegen, die Regungen im Herzen usw., die der Beterin/ dem Beter in der Zeit der Besinnung oder Betrachtung gekommen sind.

 

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